• News

Durchmischung?

23.05.2017    

Regelmässig wenn die Stadt Zürich Gelder für die Förderung von gemeinnützigem Wohnungsbau spricht, wird mit dem Schlagwort "der guten Durchmischung" argumentiert und ebenso, wenn strengere Belegungsvorschriften verlangt werden. Man sei bestrebt in etwa ein Abbild der Bevölkerung zu bilden. Dieses Argument verliert langsam aber sicher an Glaubwürdigkeit.

Die Erosion begann mit dem Bau autofreier Siedlungen. Obwohl selbst in der Stadt Zürich ungefähr die Hälfte der Haushalte mindestens ein Auto besitzt, werden in solchen Siedlungen nur Bewerber berücksichtigt, die sich zum Autoverzicht verpflichten. Eine ganze Hälfte der Bevölkerung fehlt also zum vorneherein in diesem „Abbild der Bevölkerung“. Dieser Widerspruch scheint indes niemanden zu stören. Im Gegenteil, autofreie Siedlungen sind en vogue. Man wohnt schliesslich ökologisch korrekt, aber doch nicht so extrem, dass es einem verboten wäre, übers Wochenende mit dem Auto eines Freundes in die hehre Bergwelt zu entfliehen oder hin und wieder in der Welt herum zu jetten.

 

Mittlerweile hat das Beispiel Schule gemacht und eine Genossenschaft reserviert ein Gebäude ausschliesslich für Nichtraucher. Offenbar geht es ihr nicht ums Verhindern von Raucherschäden in den Wohnungen, denn das Rauchen ist auch auf den Balkonen verboten. Geht es um die Volksgesundheit? Muss man sich demnächst in einer Siedlung zum Fitnesstraining verpflichten? Nein, in der Genossenschaft sind offenbar immer wieder Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern aufgetreten und sie versucht das Problem „mit einem neuen Ansatz“ anzugehen. Es geht also um die Immissionen. Wäre es dann aber nicht angesagt, beispielsweise auch das Grillieren auf den Balkonen zu verbieten? Wollte man alles aus dem Weg räumen, was zu Konflikten zwischen Mietern führen kann, gäbe es wohl eine recht lange Verbotsliste.

 

Auch wenn es grundsätzlich Sache des Eigentümers ist, zu wählen, wer in seine Wohnungen einzieht, scheint mir diese Entwicklung doch problematisch. Für einmal gehe ich mit dem Mieterverband einig, dass solche Eingriffe in die Lebensgestaltung eines Mieters zu weit gehen. Jedenfalls strafen sie die Legende vom Abbild der Bevölkerung Lüge.