• Nachhaltiger Dachunterhalt

Nachhaltiger Dachunterhalt

11.04.2019 THOMAS AMMANN, dipl. Arch. FH Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

Unterhaltsarbeiten – Das Dach schützt Gebäude und Bewohner gleichermassen. Damit dies so bleibt, muss es regelmässig unterhalten werden.

Das Steildach gehört neben der Fassade zu den am stärksten beanspruchten Bauteilen eines Gebäudes. Aufgrund zum Teil schwieriger oder gefährlicher Zugänglichkeit und mangelnder Einsehbarkeit wird der Unterhalt des Daches jedoch oft vernachlässigt. Erst wenn Wasser eindringt, wird man auf eine Beschädigung der Dachhaut hingewiesen. Oftmals sind die Folgeschäden zu diesem Zeitpunkt bereits gross.

Eine jährlich stattfindende Kontrolle der Ziegel respektive der Eindeckung sowie sämtlicher Blechanschlüsse hilft, mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen. Eine Reinigung ist, je nach Verschmutzungsgrad, rund alle fünf Jahre angezeigt. Allenfalls sind nordseitige Dächer in einem kürzeren Intervall zu behandeln. Bei der manuellen Oberflächenreinigung werden insbesondere Moos und Flechten mechanisch mit einem Besen oder Spachtel entfernt. Gründlicher sauber wird das Dach noch, wenn die Überlappungsbereiche der einzelnen Ziegel zusätzlich mittels Luftdruck gereinigt werden.

«Kontroll- wie Reinigungsarbeiten sollten durch Fachleute mit entsprechender Sicherheitsausrüstung nach den Regeln der Arbeitssicherheit ausgeführt werden», sagt Sven Strohmeier, Geschäftsleiter von BS Strohmeier AG. Das Nachrüsten von Anschlagpunkten für die Absturzsicherung koste zwar etwas, im Gegenzug werde damit aber die Arbeitssicherheit gewährleistet. Und die Arbeiten werden dadurch unter Einhaltung der geltenden Normen und Richtlinien fachmännisch ausgeführt.

Der Wunsch, das Dach möglichst unterhaltsarm aus- oder nachzurüsten, ist weit verbreitet. Dies hat verschiedene Methoden und Anwendungen hervorgebracht.

Biologische Dachreinigung

Bei dieser Art von Dachreinigung wird ein biologisches Reinigungsprodukt auf die Dachfläche aufgesprüht. Bei den nächsten Niederschlägen wird das Dach nach der Behandlung kontinuierlich gereinigt. Gleichzeitig erfolgt durch das Auftragen ein Langzeitschutz, der über längere Zeit ein Neuauftreten von Algen, Moos und Flechten verhindert. Diese Variante der Dachreinigung ist einfach und kostengünstig. Der Überlappungsbereich bei den Ziegeln wird jedoch nur teilweise mitgereinigt.

Die Reinigungsprodukte sind zu 95 Prozent biologisch abbaubar und enthalten keine Säuren, Sulfate und Chlor. Pflanzen und Rasenflächen in der Umgebung müssen abgedeckt werden. Zudem gilt es, die Richtlinien und Datenblätter der entsprechenden Produkte zu beachten.

Dach-Entmoosungsbänder

Oxidierendes Kupfer bildet Kupferionen, die kombiniert mit Schwefelsäure als Kupfersulfat eine biozide Wirkung haben. Mittels eines Dach-Entmoosungsbands aus Kupfer entlang des Firsts werden diese Kupferionen bei Niederschlag über die Dachfläche gespült und verhindern so das Wachsen von Moos, Flechten und Algen. Je nach Produkt unterscheiden sich die Bänder durch mehrlagiges Gestrick aus Kupferfäden, Kupferblechen mit Noppenöffnungen oder Bändern mit Schwefel- Vlieseinlagen. Ist ein Dach-Entmoosungsband einmal installiert, besteht nur noch geringer
Unterhaltsbedarf. «Die Nachfrage nach solchen Dach-Entmoosungsbändern ist in letzter Zeit angestiegen», bestätigt Strohmeier den sich abzeichnenden Trend.

Sorgfältig abzuklären sind allerdings die gestalterische Einbindung des Kupferbands sowie die Verträglichkeit mit den weiteren verwendeten Metallen für Einfassungen und Rinnen. Titanzink oder blankes Aluminium unterhalb des Kupfers müssen mit einem Schutzanstrich versehen werden, damit sie vor Korrosion geschützt sind. So gut die Wirkung des Kupfersulfats für die Dachfläche ist, so schlecht bekommt es Boden und Grundwasser. Dies ist zu berücksichtigen, wenn das Meteorwasser nicht in die Kanalisation geleitet wird, sondern im Garten versickert.

Beschichtung

In den vergangenen Jahren wurden vielerorts auch ganzflächige Beschichtungen aufgetragen. Mittels dieser auf Acrylbasis aufgebauten Materialien sollte Langzeitschutz für das Dach erreicht werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass auch das Gegenteil eintreten kann und das Deckmaterial durch die Beschichtung angegriffen wird. Detaillierte Abklärungen und allenfalls eine örtlich begrenzte Probe können vor Fehlinvestitionen schützen.

Alle Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Für die Evaluation der letztendlich gewählten Lösung ist eine genaue Abklärung mit dem Dachdecker unabdingbar. Nur so können teure, aber unnütze Massnahmen oder gar mögliche Schäden vermieden werden. Ganz abzusehen ist von Haustürangeboten, bei denen möglichst sofort und ohne genaue Angabe des verwendeten Materials eine Beschichtung zum Schutz des Daches aufgetragen werden soll.

Die sicherste und umweltverträglichste Lösung ist und bleibt die mechanische Reinigung des Daches. Viele Dachdeckerfirmen bieten hierzu Serviceabos an. Dem Eigentümer wird dadurch das regelmässige Aufbieten einer Fachperson abgenommen. Und sie gewährleisten ein stets sauberes Dach, freie Wasserabläufe und eine umfassende Dachkontrolle.

Merkblatt herunterladen

Der Verband «Gebäudehülle Schweiz» hat ein Merkblatt zur Dachreinigung und zu Dachbeschichtungen herausgegeben. Darin werden die wichtigsten Verfahren beschrieben und einander gegenübergestellt. Das Merkblatt kann auf der Website von Gebäudehülle Schweiz in der Rubrik «Infothek» heruntergeladen werden: www.gebäudehülle.swiss